Festpunkte

Allgemeines

Die AdV hat im Oktober 2004 die Strategie für den einheitlichen Raumbezug des amtlichen Vermessungswesen in der Bundesrepublik Deutschland beschlossen und damit die Anforderungen an ein modernes, homogenes und für die Bundesrepublik Deutschland einheitliches Festpunktfeld, gemeinsam für die Lage, Höhe, Schwere und 3D formuliert. Die Strategie verlässt die bisherige, getrennte Betrachtungsweise eines Lage-, Höhen- und Schwerefestpunktfeldes.

Die Konkretisierung dieser Strategie aus dem Jahr 2006 wurde im Juni 2014 mit der Richtlinie für den einheitlichen integrierten geodätischen Raumbezug fortgeschrieben.

Abbildung: Lagefestpunkt

Einheitlicher integrierter geodätischer Raumbezug

Die neue Richtlinie stellt die grundlegende Fachkonzeption des amtlichen geodätischen Raumbezuges in Deutschland dar. Auf der Basis vermarkter Festpunkte wird der amtliche Raumbezug realisiert und gesichert. Diese Realisierung ist nicht statisch, sondern verändert sich mit der Bewegung der Erdoberfläche. Festpunkte lassen sich deswegen auch als Geosensoren bezeichnen.

Eine Daueraufgabe der Vermessungsverwaltungen ist die Überwachung (3 Jahre), Überprüfung (6 Jahre) und bedarfsgerechte Aktualisierung der Festpunkte.

Der einheitliche integrierte geodätische Raumbezug fasst die früher getrennt betrachteten Bezugssysteme Lage, Höhe, Schwere und 3D erstmals zusammen. Das physikalische Höhenbezugssystem und das geometrische 3D-Bezugssystem werden in den Geodätischen Grundnetzpunkten (GGP) unmittelbar miteinander verknüpft. Das GGP-Rahmennetz wurde in einer zusammenhängenden Messkampagne im Jahre 2008 mit bestimmt (Nullmessung). Die dabei erzielte Genauigkeit in der Lage- bzw. ellipsoidischen Höhenkomponente von < 1 mm bzw. < 2 mm führte zu einem Ergebnis höchster Präzision.

Das AdV-Quasigeoid repräsentiert die Höhenbezugsfläche des amtlichen bundesweit einheitlichen Höhenbezugsrahmens und ist das Verbindungselement des bundeseinheitlichen Festpunktfeldes.

Abbildung: einheitlich integrierter geodätischer Raumbezug

Bundeseinheitliches Festpunktfeld

Der Raumbezug des amtlichen Vermessungswesen wird realisiert durch ein bundesweit einheitliches, homogenes Festpunktfeld, das länderspezifisch verdichtet werden kann. Dies besteht aus:

  • den Geodätischen Grundnetzpunkten,
  • den Höhenfestpunkten 1.Ordnung,
  • den Schwerefestpunkten des Schweregrundnetzes und des Schwerenetzes 1.Ordnung und
  • den Referenzstationspunkten des Satellitenpositionierungsdienstes der deutschen Landesvermessung SAPOS®.

Weitere Festpunktfelder

Neben der Bereitstellung und Unterhaltung des bundesweit einheitlichen Festpunktfeldes wird der Raumbezug aufgrund von länderspezifischen Festlegungen durch weitere Festpunkte, wie Lage-, Höhe- und Schwerefestpunktfelder, ergänzt. Die Anforderungen, der Umfang, die Dichte und die Ausgestaltung obliegen den Vorgaben der einzelnen Bundesländer.

Abbildung: Höhenfestpunkt mit Nivellierlatte

Verwendung

Die Festpunktfelder für Lage, Höhe und Schwere bilden die Grundlage für alle Vermessungstätigkeiten und darüber hinaus, z.B. für:

  • Liegenschaftsvermessungen,
  • die topographische Landesaufnahme,
  • den Aufbau von Geobasisinformationssystemen,
  • sonstige Lage-, Höhen- und Schwerevermessungen,
  • für Positionierungen, Ortung und Navigation,
  • für Ingenieurbauprojekte, für Deformationsanalysen sowie für den Katastrophenschutz (Hochwasservorhersage),
  • für die Analyse von Erdkrustenbewegungen,
  • für die Erforschung der Figur der Erde und der Gestalt von Teilen der Erdoberfläche und des äußeren Erdschwerefeldes.
    Die Festpunktfelder für Lage, Höhe und Schwere dienen zur Schaffung eines hypothesenfreien Höhensystems und liefern wichtige Ausgangsinformationen für geowissenschaftliche Untersuchungen und deren Anwendung in Technik, Wirtschaft und Verwaltung, und letztlich dienen sie zum Anschluss an die einheitlichen, nationalen und internationalen geodätischen Netze.

Veröffentlichungen

Abbildung: Schweremessung

Abbildung: Anwendungsbeispiel

©2017 Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland