Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN92)

Aufgabe

Die Aufgabe des DHHN92 besteht darin, Niveau und Maßstab für die Höhenmessung über große Gebiete vorzugeben und zu sichern.

Entstehung

Das Deutsche Haupthöhennetz 1992 (DHHN92) ist ein Gemeinschaftswerk der Landesvermessungsämter der 16 Bundesländer Deutschlands. Im Rahmen der Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) wurde das DHHN92 von der AdV geplant und durch eine Ausgleichung und der Einführung als neues amtliches Nivellementnetz 1.Ordnung im Oktober 1993 umgesetzt.
Das DHHN92 beruht in den alten Bundesländern auf den dort durchgeführten Wiederholungsnivellements 1980-85 und in den neuen Ländern auf den Messungen für das Staatliche Nivellementnetz 1976 (SNN76). Zwischen den beiden Messungsblöcken führten 1992 die jeweils zuständigen Landesvermessungsbehörden nach der Vereinigung Deutschlands Verbindungsnivellements sowie Schweremessungen durch.

Die Wahl des Höhensystems, die Netzanlage und -berechnung erfolgte im Wesentlichen unter folgenden Gesichtspunkten:

  • Es war eine homogene, einheitliche und genaue geodätische Grundlage für Höhenmessungen in ganz Deutschland zu schaffen, so dass Nivellementlinien an den Grenzen der Bundesländer keine Sprünge aufweisen.
  • Es sollte eine geeignete Verbindung mit dem Europäischen Nivellementnetz REUN/UELN (Belgien, Luxemburg, Österreich, Schweiz, Tschechien) geschaffen werden und
  • es sollte eine wissenschaftlich fundierte und für die Praxis annehmbare Höhendefinition verwendet werden, so dass die Höhen überall nach gleichen Formeln berechnet werden konnten.

    Man wählte das Normalhöhensystem, das in der ehem. DDR bereits 1957 eingeführt worden war. Im Zusammenhang mit einer umfassenden Theorie des Schwerefeldes der Erde, hat der russische Geodät Molodenski dieses Höhensystem vorgeschlagen, das die vier wichtigsten Bedingungen für ein Landesnetz erfüllt:
  • Die Punkthöhen sollen eindeutig und unabhängig vom Wege bestimmbar sein (Schleifenschlusswiderspruch soll ungefähr Null ergeben).
  • Die Höhen sollen weitgehend frei von hypothetischen Annahmen sein.
  • Die Höhenbezugsfläche sollte weitgehend eindeutig bestimmbar sein, um Höhensysteme ohne Einschränkungen transformieren zu können und
  • die Korrektionen der nivellierten Höhenunterschiede sollen in kleinräumigen Gebieten praxisgerecht hinreichend vernachlässigbar sein.

    Die Ausgleichung des DHHN92 erfolgte zwangsfrei in geopotentiellen Koten. Anschlusspunkt zur Niveaufestlegung ist der Punkt mit dem Punktkennzeichen 3614/5 (Kirche Wallenhorst bei Osnabrück), ein Höhenfestpunkt des Europäischen vereinigten Höhennetzes UELN, das am Niveau des Nullpunktes des ehemaligen Pegels Amsterdam angeschlossen ist. Somit bezieht sich auch das DHHN92 auf das Niveau des ehemaligen Pegels Amsterdam.
    Die Standardabweichung der Gewichtseinheit (geopotentieller Kotenunterschied für 1 km Messweg) betrug bei der abschließenden Netzausgleichung ± 0,86·10-2 m2·s-2, was in metrischem Maß 0,88 mm/km entspricht.
    Nach der Netzausgleichung, die nur die Knotenpunkte enthielt, und der Berechnung geopotentieller Koten für die übrigen Nivellementpunkte, wurden für alle ca. 55 000 Nivellementpunkte des DHHN92 Normalhöhen nach der Theorie von Molodenski berechnet. Hierzu wurde die geopotentielle Kote eines jeden Punktes durch einen individuellen Schwerewert dividiert, der als Mittelwert der Normalschwere zwischen den zugehörigen Punkten auf dem Ellipsoid und dem Telluroid zu berechnen war. Es gelten die für das Niveauellipsoid des Geodätischen Referenzsystems 1980 (GRS 80) gültige Schwereformel und die Punktkoordinaten im ETRS89. Die Berechnungen für die ca. 55 000 neuen Punkthöhen "über Normalhöhenull (NHN)" konnten im Jahre 1994 abgeschlossen werden. Nach dem Beschluss der AdV (Nr.105/7, 1999) sind Normalhöhen einheitlich für die gesamte Bundesrepublik als amtliche Höhen über Normalhöhennull (NHN) ab dem Jahre 2002 auszuweisen. Das DHHN92 ist in ganz Deutschland das Nivellementnetz 1. Ordnung, also das grundlegende Netz für alle weiteren amtlichen Nivellements. Die einzelnen Landesvermessungsämter berechnen auf verschiedene Weise die Normalhöhen der 2., 3. und, falls vorhanden, der 4. Ordnung und übernehmen sie in den Nachweis. Der Nutzer braucht innerhalb lokaler Nivellements keine schwerebasierten Reduktionen anbringen.
    Die berechneten Normalhöhen entsprechen Höhen über dem Quasigeoid als Bezugsfläche, das mit Parametern des GRS80 berechnet wird und durch den Nullpunkt des ehemaligen Pegels Amsterdam verläuft. In einer von der AdV geleiteten Messkampagne erneuern alle Bundesländer im Zeitraum 2006-2011 gemeinsam und epochengleich zusammenhängende Teile des DHHN92. Die Wiederholungsmessungen dienen der Diagnose und durch Miteinbeziehung von GNSS- und Schweremessungen der Einbindung des Höhenreferenzsystems in ein zukünftiges, integriertes Raumbezugssystem. 

Deutsches Haupthöhennetz 1992

Veröffentlichungen

AdV, 1993
Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland: Die Wiederholungsmessungen 1980 bis 1985 im Deutschen Haupthöhennetz und das Haupthöhennetz 1985 der Bundesrepublik Deutschland; München.

AdV, 1995
Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland: Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN 92); München.

Kremers, J., 1994:
Das Deutsche Haupthöhennetz im europäischen Umfeld; Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungswesen Nordrhein-Westfalen, Bonn, 1994/2;

Lang, H., 1994:
Vorbereitende Arbeiten des IfAG zur Ausgleichung des Deutschen Haupthöhennetzes 1992 (DHHN 92); Allgemeine Vermessungs Nachrichten 1994/10

Lang, H., Steinberg, J., 1993:
Zur Entwicklung der Höhennetze auf dem Territorium der neuen Bundesländer; Allgemeine Vermessungs-Nachrichten 100/8-9.

Weber, D., 1991:
Die Vereinheitlichung der Höhen- und Schwerenetze in Deutschland; Allgemeine Vermessungs-Nachrichten 98/6

Weber, D., 1994:
Das neue gesamtdeutsche Haupthöhennetz DHHN 92; Allgemeine Vermessungs-Nachrichten 101/5.

Weber, D., 1995:
Berechnung des Deutschen Haupthöhennetzes 1992 abgeschlossen; Zeitschrift für Vermessungswesen 120/4, S. 196

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