DHHN-Erneuerung 2006-2012

Das heutige amtliche Höhenbezugssystem, das Deutsche Haupthöhennetz 1992 (DHHN92), basiert mit seinen Gebrauchshöhen über Normalhöhennull (NHN) auf Nivellementmessungen, die nahezu vier Jahrzehnte alt sind. Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) hat daher im April 2005 die Erneuerung des DHHN beschlossen.

Das bestehende Deutsche Haupthöhennetz 1.Ordnung wird in einem reduzierten Umfang (fast 90 % des Liniennetzes) unter Einsatz des digitalen Präzisionsnivellements und Beibehaltung der bisherigen Genauigkeitsanforderungen in den Jahren 2006 bis 2012 erneuert.

Erstmals werden neben modernen Präzisionsnivellements epochengleiche Messungen mit globalen Navigationssatellitensystemen (GNSS) und Absolutschweremessungen auf ausgewählten Repräsentativpunkten durchgeführt (s. Erneuerungsübersicht DHHN). Mit dem Gesamtprojekt zur Erneuerung des DHHN sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Aufdeckung von Höhenänderungen und Spannungen im DHHN 92 (Diagnose),
  • Einbindung des DHHN in den einheitlichen Raumbezug des amtlichen Vermessungswesens in der Bundesrepublik Deutschland,
  • Modellierung hochgenauer Geoinformationen für die weitere Verbesserung der satellitengestützten Gebrauchshöhenbestimmung insbesondere mit SAPOS® und
  • Schaffung aktueller Grundlagen für wissenschaftliche Arbeiten (Daseinsvorsorge).


GNSS-Netzmessungen

Das bundesweite GNSS-Netz umfasst 250 gleichmäßig über ganz Deutschland verteilte Punkte. Sämtliche GNSS-Punkte sind besonders stabil für drei Dimensionen (3D) vermarkt und befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Nivellementlinien 1. Ordnung. Hinzu kommen rund 350 GNSS-Referenzstationen in Deutschland und der europäischen Nachbarschaft. Einesteils dienen sie der Realisierung des globalen Referenzrahmens, anderenteils bilden sie als permanente Sensoren in Positionierungsdiensten die zentrale Schnittstelle des integrierten Raumbezugs zum Nutzer.

Primäres Ziel der GNSS-Kampagne ist die Bestimmung von hochgenauen ellipsoidischen Höhen mit moderner, dem Stand der Technik entsprechender GNSS-Technologie (GPS und GLONASS). Durch nivellitischen Anschluss an das DHHN erhalten sämtliche GNSS-Punkte zusätzlich (auf das Geoid bezogene) physikalische Höhen (Landeshöhen). Die GNSS-Messkampagne wurde vom 26. Mai bis 03. Juli 2008 bundesweit durchgeführt.

Angewendet wurde das Verfahren der simultanen Langzeitmessung im Netzverbund (immer 34 Trupps gleichzeitig; Beobachtungsdauer 24 Stunden pro Punkt; jeder Punkt wird zwei- bzw. dreifach bestimmt). Dadurch wird eine Genauigkeit innerhalb des netzes von unter 5 mm in der Höhe und unter 2 mm in der Lage erreicht.

I;156KB;04.08.2008;GNSS-Stationsaufbau

Stationsaufbau und Höhenkontrolle an einem GNSS-Punkt

Gravimetrische Messungen im DHHN

Neben den Präzisionsnivellements und den GNSS-Netzmessungen wurden auf 100der bundesweit verteilten GNSS-Punkte Absolutschweremessungen ausgeführt. Für die verbleibenden GNSS-Punkte werden die Schwerewerte teils durch Relativ- und teils mittels Absolutgravimetrie bestimmt.

Absolutgravimeter A10 im Feldeinsatz

Die Durchführung und Auswertung der Absolutschweremessungen erfolgte durch das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG). Punkte, auf denen eine Verknüpfung der Messverfahren GNSS, Präzisionsnivellement und Schwerebestimmung mit höchster Genauigkeit durchgeführt werden, stellen im Sinne der "Richtlinien für den einheitlichen Raumbezug des amtlichen Vermessungswesens in der Bundesrepublik Deutschland" Geodätische Grundnetzpunkte (GGP) dar und können für die Landesvermessung als Langzeitreferenz sowie zur Überwachung von Umwelteinflüssen verwendet werden.

Die epochengleiche Bestimmung der Normalhöhen, der ellipsoidischen Höhen und der Schwere an den Stationen wird den einheitlichen Raumbezug gewährleisten, der für zukünftige Quasigeoidmodelle notwendig ist.

Dokumente zum Downlaod

Datum

Inhalt

Typ

Größe

01.08.2009 Nivellement-Feldanweisung 2006–2011 1.070 KB

08.05.2008

 AdV Pressemitteilung DHHN

325 KB

04.07.2008

 Abschluss der GNSS-Kampagne 2008

68 KB

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